Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Dissertationsprojekt: Frauen im sozialistischen Jugoslawien (1945-1990). Zwischen Institutionalisierung der ‚Frauenfrage‘ und Feminismus.

Betreuerin: Prof. Dr. Marie-Janine Calic

Förderung: Studienstiftung des deutschen Volkes

Im sog. Volksbefreiungskampf (1941-1945) fiel den jugoslawischen Frauen eine entscheidende Rolle zu. Die 1942 gegründete Antifaschistische Front der Frauen (AFŽ) mobilisierte gezielt Frauen für eine vielgestaltige Unterstützung des Partisanenkampfes. Die AFŽ blieb – entgegen der marxistischen Vorstellung, „die Frauenfrage“ werde bereits durch die Revolution gelöst – im sozialistischen Jugoslawien erhalten, wenn auch in mehrmals umstrukturierter und umbenannter Form. Die Frauenorganisationen sollten zunächst die Frauenpolitik der kommunistischen Führung popularisieren und für eine aktive Teilnahme von Frauen am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben werben. Sie konnten jedoch zunehmend durch eigene Studien und Öffentlichkeitsarbeit, sowie durch praktische und politische Initiativen selbst frauenpolitisch handeln. Als sich ab 1978 nicht institutionell verankerte, feministische Gruppen gründeten, traten – je nach Republik – bezeichnende Diskrepanzen oder Allianzen zwischen den Generationen zutage.

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der Theorie und Praxis kommunistischer Frauenpolitik in Jugoslawien; dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Frauen innerhalb der Frauenorganisationen Handlungs- und Gestaltungsspielräume nutzen konnten, und welche Grenzen aufgrund der Ideologie, der Machtstrukturen und der jeweils aktuellen politischen Situation vorgegeben waren.