Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Dissertationsprojekt: Legitimation durch Geschichtsbezug. Russländische Erinnerungspolitik seit 2000

Betreuer: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel

Der Zerfall der Sowjetunion ging mit der Erosion alter Gewissheiten über die Geschichte einher. So waren die ersten Jahre der Russländischen Föderation durch konfliktreiche Aushandlungsprozesse über die Geschichte gekennzeichnet – ohne dass sich jedoch eine stringente Erinnerungspolitik herausgebildet hätte. Viele Ansätze der Jelzin-Administration, durch den Rückgriff auf die Geschichte Legitimationspotenziale für den jungen Staat zu schaffen, wurden politisch blockiert oder nicht konsequent umgesetzt.
Mit dem Amtsantritt Vladimir Putins im Jahr 2000 kommt der auf Legitimationsbedürfnisse ausgerichteten Funktionalisierung der Erinnerung eine erhöhte Priorität zu. Schon in seiner Inaugurationsrede forderte Putin die Wiederherstellung der „Verbindung der Zeiten“ und verwies somit auf die Bedeutung der Geschichte und der Erinnerung für die Zukunft Russlands.
Das Dissertationsprojekt untersucht die Mittel und Techniken, mit denen die Geschichte aktualisiert, popularisiert und zur Legitimation eingesetzt wird. Eine wichtige Klammer bilden dabei die Programme zur patriotischen Erziehung der Bürger Russlands, die als Instrumente der öffentlichen Vermittlung bestimmter Narrative erforscht werden. Die Analyse der Präsidentenreden zu Gedenktagen und Gedenkanlässen ermöglicht Rückschlüsse auf die tagespolitische Nutzung und die kontinuierliche Arbeit an historischen Narrativen. In der Arbeit werden sowohl verbreitete Instrumente der staatlichen Erinnerungspolitik in Blick genommen, wie Schulbücher, Gedenkfeiern und staatstragende Festrituale, als auch Geschichtsinszenierungen, die von neuen medialen Vermittlungsformen oder der Integration von ungewöhnlichen Akteuren in die staatliche Erinnerungspolitik zeugen.