Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Stadtgründungen an der russischen Steppengrenze

Projektdaten

 

Dauer 1.10.2021-30.09.2024
Leitung Dr. Ulrich Hofmeister
Förderung Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektbeschreibung

Die Gründung von Städten ist ein Leitmotiv in der russischen Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert hinein. Einen Wendepunkt markiert dabei das frühe 18. Jahrhundert, da der russische Städtebau in dieser Zeit eine grundlegende ideologische und organisatorische Umorientierung erlebte. In meinem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojekt untersuche ich diese Umwälzungen anhand der Gründung von Taganrog und Orenburg, den beiden wichtigsten russischen Stadtgründungen der Zeit, die die Steppe für das Zarenreich erschließen sollten. Taganrog war die erste Stadtgründung Peters I. und damit ein Vorläufer von St. Petersburg, und Orenburg wurde als „Fenster nach Asien“ und somit als östliches Gegenstück der neuen Hauptstadt konzipiert. Anhand von Taganrog und Orenburg möchte ich klären, auf welche Weise im Zarenreich des frühen 18. Jahrhunderts unter den spezifischen Bedingungen der Steppengrenze Städte geplant, gebaut und besiedelt wurden. Das Projekt verbindet Ansätze der Migrations- und Sozialgeschichte mit denen der Stadtplanungsgeschichte und führt so zwei Forschungsfelder zusammen, die bisher in der Regel getrennt bearbeitet wurden. Eine Ausgangsthese des Projekts ist, dass der Städtebau erstmals an der Steppengrenze als Mittel zur Erziehung der Untertanen des Imperiums und zur Formung seiner Bevölkerung eingesetzt wurde. An der Peripherie des Reichs wurden somit bedeutende gesellschaftliche und städtebauliche Innovationen entwickelt, die später auch in die russischen Kerngebiete übertragen wurden. Dieses Projekt trägt so dazu bei, spätere Entwicklungen nicht nur im Städtewesen, sondern generell in der Gesellschaft des Zarenreichs besser zu verstehen.