Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2011/12

Vorlesung:Ordnungsvorstellungen in Osteuropa im Wandel - vom Berliner Kongress 1878 bis zum Versailler Frieden und der Gründung der Sowjetunion 1918 - 22

2std., Do 14–16 Uhr, LMU-Hauptgebäude A014

Beginn: 20.10.2011; Ende: 09.02.2012

In den ersten beiden Dritteln des 19. Jahrhunderts stellte Europa eines von mehreren großregionalen Staatensystemen in der Welt dar und wurde primär monarchisch regiert. Das östliche Europa beherrschten die Kontinentalreiche der Habsburger, Romanovs und Osmanen. Diese Ordnung sah sich im Rahmen der Globalisierung des letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vor signifikante Herausforderungen gestellt. Europas Stellung in der Welt, die Positionierung der östlichen Kontinentalreiche in Europa, der Umgang der Imperien mit Nationsbildungen, Föderationspläne Europas, Mitteleuropas und des Donauraums, der Panslavismus und die jüdische Frage wurden dabei von Regierungen, Funktionseliten, Intellektuellen und Revolutionären diskutiert. Die Vorlesung bietet einen Überblick entsprechender Entwürfe von Staat und Gesellschaft im Zarenreich, dem Habsburger Reich sowie dem Osmanischen Reich und schließt mit den politischen Ordnungen, die die Versailler Friedenskonferenz und die Sowjetunion nach dem Ersten Weltkrieg etablierten. Dabei zielte Versailles zwar auf ein neues Staatensystem in Europa, übernahm jedoch die Logik einer Bevölkerungspolitik von Mehrheiten und Minderheiten, die das europäische Staatensystem auf dem Berliner Kongress 1878 und der Berliner Afrikakonferenz 1884/85 begründet hatte. Die Sowjetunion wiederum grenzte ihre Nationalitätenpolitik in den frühen 1920er Jahren bewusst von denjenigen des Zarenreiches und der Kolonialmächte England und Frankreich ab.

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: KL.

Magister- und alter Lehramtsstudiengang: Für die Zwischenprüfung geeignet.

Literatur: John Darwin, Der imperiale Traum. Die Globalgeschichte großer Reiche 1400 - 2000, dt. Frankfurt am Main 2010, Kap. 6 und 7. Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, Kap. 8 und 9.

Vertiefungskurs/Hauptseminar: Zukunftsvisionen im Osten Europas 1890 – 1930

3std., Do 8-11 Uhr, Historicum 402

Beginn: 20.10.2011; Ende: 09.02.2012

Geschichtsschreibung handelt von der Vergangenheit, die Zukunftsprognose liegt der Historiographie fern. So weit so gut, stellen jedoch gerade Zukunftsvisionen ein lohnendes Untersuchungsfeld dar, verraten sie doch sehr viel über menschliche Wahrnehmungen, Hoffnungen und Befürchtungen. Ein einschlägiges Beispiel sind Zukunftsvisionen, die von ca. 1890 bis ca. 1930 im östlichen Europa artikuliert wurden. Das Hauptseminar betrachtet zum einen vertiefend politisch-soziale Ordnungsvorstellungen, die die Vorlesung „Ordnungsvorstellungen in Osteuropa im Wandel" behandelt. Zum anderen untersucht es darüber hinaus Zukunftsvisionen von den künstlerischen und architektonischen Avantgarden in Ostmitteleuropa und Russland über die Flugzeugeuphorie am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis hin zu biopolitischen Visionen und dem sowjetischen Konzept des Neuen Menschen.

Prüfungsformen im B.A. und im modularisierten Lehramt: MP, RE, HA.

Literatur: Boris Groy, Michael Hagemeister: Die neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 2005. Karl Schlögel, Petersburg. Das Laboratorium der Moderne 1909 - 1921, München 2002. Felix Philipp Ingold, Der große Bruch. Russland im Epochenjahr 1913. Kultur, Gesellschaft, Politik, München 2000. Stefan Plaggenborg, Revolutionskultur. Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjetrussland zwischen Oktoberrevolution und Stalinismus, Köln 1996.

Voraussetzung für den Besuch eines Hauptseminars ist die Anmeldung in der Geschäftsstelle des Historischen Seminars im Raum 328, hier ist der Abschluss des Grundstudiums nachzuweisen.


Servicebereich