Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Dissertationsprojekt: Loyalität, Eigensinn und Widerstand im Kosovo: Die Landbevölkerung in der Gemeinde Srbica von 1963-1981

Betreuerin: Prof. Marie-Janine Calic

Förderung: Schroubek-Fonds Östliches Europa (Mai 2010-April 2011), Gerda-Henkel-Stiftung (ab Mai 2011)

Das sozialistische Jugoslawien sah sich im Kosovo mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen galt es die große Volksgruppe (serb. narodnost; alb. kombësi) der Albaner, deren politische Führung Ende des Zweiten Weltkriegs erfolglos das Selbstbestimmungsrecht gefordert hatte, in das „südslawische“ Staatsprojekt zu integrieren. In den ländlichen Gegenden Kosovos traf der Staat zudem auf eine bäuerliche und traditionelle Gesellschaft, deren Lebenswelt durch patriarchalische Strukturen, ein mündlich überliefertes Gewohnheitsrecht und Subsistenzwirtschaft geprägt war, welche das sozialistische Reformprojekt in seinem Sinne zu modernisieren suchte.

Im Zentrum dieses Forschungsvorhabens steht daher die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen sozialistisch jugoslawischer Staatsmacht und der Bevölkerung im Kosovo in den Jahren 1963 bis 1981 entwickelte – in einer Zeit, in der es zu einer Abkehr von einer repressiveren Herrschaftspraxis hin zu einer stärker integrativen Politik in Form von aufgewerteten nationalen und föderalen Rechten kam. Welche sozial-ökonomischen, kulturellen und politischen Faktoren kennzeichneten die Lage der mehrheitlich albanischen Landbevölkerung? Inwieweit und weshalb konnte sie sich mit dem Staat identifizieren oder arrangieren und weshalb und in welchem Umfang kam es in dieser Periode zu Entfremdung, Verweigerung, Illoyalität oder Protest?

Um einen möglichst tiefen Einblick in die Handlungsoptionen und Rationalitäten sozialer Akteure und in lokale Machtstrukturen zu bekommen, ist das Forschungsvorhaben als Mikrostudie der ländlichen Gemeinde Srbica im Zentralkosovo angelegt. Methodologisch wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, wobei die Analyse historischer Quellen durch quantitative und qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung ergänzt werden soll.