Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich
Nataliia Sinkevych

Natalia Sinkevych, PhD

Postdoc

Kontakt

Ludwig-Maximilians-Universität
Historisches Seminar
Geschichte Ost- und Südosteuropas
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München


Forschungsprojekt

Erfindung der Tradition: Kiewer kirchliche Tradition auf der Suche nach ihrem Weg zwischen Rom, Konstantinopel, Wittenberg, Warschau und Moskau (1596-1720)

(gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Die Zeit vom Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts stellt eine äußerst wichtige Zeit der ukrainischen Geschichte dar. Beeinflusst von verschiedenen religiösen und politischen Zentren fühlten sich Kiewer Intellektuelle herausgefordert, eine eigene ukrainisch-orthodoxe Tradition zu deklarieren. Somit setzte am Ende des 16. Jahrhunderts und während des gesamten 17. Jahrhunderts ein Prozess der „Erfindung“ der Kiewer historiographischen, hagiographischen und polemischen Tradition ein, der sich mit Hilfe von rhetorischen Vorgehensweisen und narrativen Konstruktionen hinter der Rückkehr zum „Altertum“ und den Urquellen verdeckte

Das Hauptziel des Forschungsvorhabens ist es, die intellektuellen Vorgehensweisen zu untersuchen, mit denen die Kiewer Hierarchen auf äußere politische, theologische und intellektuelle Einflüsse reagierten. Gefragt wird, welche Ideen und Praktiken sie aufnahmen und welches Gedankengut sie in ihren politischen Deklarationen, polemischen, historischen und hagiographischen Schreiben ignorierten. In einem zweiten Schritt wird gefragt, ob und inwieweit aus Kiew auch Impulse ausgingen, die die europäischen religiösen und kulturellen Zentren geprägt haben.

Curriculum Vitae

Ab 1999 Studium der Geschichte der Ukraine an der Nationalen Taras-Ševčenko-Universität Kiew. 2004 Abschluss des Magisters in Geschichte. Von 2003 bis 2006 Studium der Theologie am Thomas-von-Aquin-Institut für Religionswissenschaften in Moskau. 2004 bis 2007 Promotion an der Nationalen Taras-Ševčenko-Universität Kiew mit dem Thema „Dominikanerklöster in Wolhynien Ende des 17.-19. Jahrhunderts: die institutionellen Rahmenbedingungen, das soziale Umfeld, die Hauptaktivitäten". Von 2007 bis 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalen Geschichts- und Kulturmuseum des Kiewer Höhlenklosters (Kiev-Pečersk Lavra). 2017 Mitarbeit am Forschungsprojekt „Förderung von Recherchen zur Klärung der Provenienz einer russischsprachigen Originalurkunde, ausgestellt vom Zaren Peter I. im Jahr 1709“ an der Universität Tübingen. Seit Januar 2016 Mitarbeit am Deutschen Historischen Institut Moskau an dem Projekt „Die Ostslaven auf der Suche nach überregionalen Identitäten (vom Ende des 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) im Kontext der modernen Nationenbildung“.

Funktionen und Mitgliedschaften

Von 2005 bis 2009 Mitglied im Europäischen Kollegium der Ukrainischen und Polnischen Universitäten Lublin (Polen). 2015 bis 2017 Assoziiertes Mitglieder im Graduiertenkolleg „Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800–1800)“ der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Stipendien

2014 bis 2015 Stipendiatin des katholischen Ausländerdienstes der Eberhard Karls Universität Tübingen. 2010 Stipendiatin des Harvard-Ukrainian Research Institute der Harvard-University.

Publikationen (Auswahl)

Monographien

Relikviji ta chudotvorni ikony Sofiji Kyjivs’koji [Reliquien und wundertätige Ikonen der Sophienkathedrale zu Kiew], Kyjiv 2011.

„Paterykon“ Sylvestra Kosova: pereklad ta doslidžennja pamjatky [„Paterikon“ von Sylvester Kosov: Übersetzung und Erforschung des Werks“], Kyjiv 2014.

Aufsätze

“Hic mortui vivunt, et muti loquuntur”: rann’omoderna knygozbirnja Kyjevo-Sofijs’kogo monastyrja za katalogom 1769 r. [“Hic mortui vivunt, et muti loquuntur”: Die frühneuzeitliche Bibliothek der Sophienkathedrale zu Kiew nach Katalog 1769], in: Sofija Kyjivs’ka: Vizantija, Rus‘, Ukrajina, ІV, 2014, S. 601–639.

Religious Cults in Early Modern Ukrainian Society in the Journal of Paul of Aleppo, in: Europe in Arabic Sources: “The Travels of Macarius, Patriarch of Antioch”. Proceedings of the International Conference “In the Eyes of the Orient: Europe in Arabic Sources” (Kyiv, 22–23 September 2015) / Edited by Yulia Petrova and Ioana Feodorov, Kyiv 2016, S. 67-76.

The 1635 "Paterykon" by Sylvestr Kossov. Its Purposes, Originality, Sources and Interpretation, in: Jahrbücher der Geschichte Osteuropas 64 (2016), Heft 2, S. 177-198.

Sacral past, ancient saints and relics - the remembrance of Kyiv Rus' in hagiographical texts at the time of Petro Mohyla, in: Crossroads from Rus’ to … / Edited by R. Dymczyk, I. Krywoszeja, N. Morawiec, Częstochowa-Humań-Poznań 2015, S. 35-43.

Dva vektora pravoslavnoj identičnosti v Ukraine XVII v. Moskva i moskovity v dvuch proiyvedenijach Mogiljanskogo vremeni [Zwei Richtungen der Orthodoxen Identität in zwei Werken von Petro Mohylas Zeit], in: Drevnjaja Rus’ posle drevnej Rusi: diskurs vostočnoslavjanskogo (ne)edinstva, Moskva 2017, S. 272-290.

Kriegsbeute in Tübingen. Eine Urkunde Peters des Großen, Seilschaften der Osteuropaforscher und die Restitution, in: Osteuropa 2016, Heft 11/12, S. 149–167 (zusammen mit Katharina Kucher, Corinna Kuhr-Korolev, Tetiana Sebta).