Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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David Khunchukashvili

David Khunchukashvili, M.A.

Doktorand

Kontakt

Ludwig-Maximilians-Universität
Historisches Seminar
Geschichte Ost- und Südosteuropas
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

Telefon: (Sekretariat) +49 (0) 89 / 2180 - 5480
Fax: (Sekretariat) +49 (0) 89 / 2180 - 5656

Promotionsprojekt

Die Genese der Idee des christlichen Zarentums im Russland der Vormoderne

Im 15. und 16. Jahrhundert änderte sich im alten Russland allmählich die Regierungsform. Aus einem Fürstenbund mit einem Großfürsten als primus inter pares entwickelte sich ein zentralisiertes Zarentum mit einem Zaren als Alleinherrscher, der als Abbild Christi imaginiert wurde. Durch die schrittweise Errichtung des christlich legitimierten Zarentums fand die byzantinische Reichsidee ihre Fortschreibung und Umdeutung in der Moskauer Rus’, was sowohl die innere Entwicklung als auch die Außenpolitik Russlands bis ins 20. Jahrhundert prägte.

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Entstehung, Entwicklung und Herausforderung der Idee des christlichen Zarentums im vormodernen Russland interdisziplinär, transkulturell und anhand eines vielfältigen Quellenkorpus zu untersuchen. Eine vergleichbare Studie liegt bisher nicht vor. Für die umfassende Erforschung des christlichen Zarentums werden folgende Quellengattungen herangezogen: theologische Traktate und dynastische Legitimierungslegenden, Rituale, Ikonographie, seine räumliche Entfaltung in der Architektur und den Pilgerfahrten des Zaren sowie die Vertonung in der Kirchenmusik. Besondere Aufmerksamkeit gilt den bildlichen Quellen aus der russischen Provinz sowie der kirchlichen Musik, die in bisherigen Forschungen zum Thema nicht berücksichtigt worden sind.

In vergleichender Perspektive sollen die Spezifika des russischen Falles herausgearbeitet werden. In dem Projekt wird die folgende These vertreten: Die Idee des christlichen Zarentums war im 15. und 16. Jahrhundert noch keine imperiale, sondern vor allem eine eschatologische Idee. Sie konnte zwar für die Legitimation von Landeroberungen herangezogen werden, sollte aber in erster Linie die der Moskauer Rus’ bei der Herausbildung der christlich legitimierten Alleinherrschaft im Vergleich zu Byzanz und dem Heiligen Römischen Reich eine viel wichtigere Rolle.

Das Forschungsvorhaben leistet nicht nur einen Beitrag zur Erforschung der Genese des Zarentums im vormodernen Russland des 15. und 16. Jahrhunderts, sondern trägt auch zum allgemeinen Verständnis von Herrschaftslegitimierungen bei, indem es die russische Variante der durch Gott legitimierten Gewalt in Bezug zu anderen Formen der Herrschaftslegitimierung im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa untersucht.

Curriculum Vitae

Von 2006 bis 2011 Studium des Musikmanagements in Moskau an der Gnessiny-Musikakademie (Diplom). Danach von 2012 bis 2015 Studium der Geschichte und katholischen Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (B. A.), anschließend von 2015 bis 2017 Studium der osteuropäischen Geschichte und Slavistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (M. A.). Seit Oktober 2017 Doktorand im Fach Geschichte Ost- und Südosteuropas bei Prof. Dr. Julia Herzberg.

Publikationen

Aufsätze

Kjachta – das sandige Venedig, in: Andreas Renner / Sören Urbansky / Helena Holzberger (Hgg.): Russische Orte in Asien, im Erscheinen.

Evgenij Levine. Biographie, in: München und die Russische Revolution. Elektronische Publikationen von VifaOst, im Erscheinen.

Nadežda Krupskaja. Biographie, in: München und die Russische Revolution. Elektronische Publikationen von VifaOst, im Erscheinen.

Die Masken der Macht Ivans IV.: Die verkehrte Welt der Opričnina im Spiegel der Vorstellung vom christlichen Zarentum, in: Dittmar Dahlmann / Diana Ordubadi (Hgg.): Die Entwicklung der Autokratie im Moskauer / Russischen Reich, ca. 2019.

Rezensionen

Bokova, V. M.: Povsednevnaja žizn’ Moskvy v XIX veke (=Živaja istorija: Povsednevnaja žizn’ čelovečestva), Moskau 2010, in: Voprosy literatury 3 (2012), S. 492-493.

Vasil’eva-Južina, I. N. (Hrsg.): Džon Fil’d, russkij irlandec, Moskau 2009, in: Voprosy literatury 1 (2011), S. 490-491.

Lexikonartikel

Beiträge zu Feliks Mendelson-Bartoldi (S. 476), Gector Berlioz (S. 426), Petr Il’ič Čajkovskij (S. 576-577), tanec morris (S. 283-284), žiga (S. 270-171), tancy (S. 294.295), in: Uil’jam Šekspir: ėnciklopedija, hrsg. von Šajtanov, I. O., Moskau 2015.

Vorträge (Auswahl)

07/2018 „Die Eschatologie in der Moskauer Rus' und die Entstehung des christlichen Zarentums“, SFB 1167, Teilprojekt „Samoderžcy i edinoderžavie – Die Begründung des zentralistischen Alleinherrschaftsanspruches der russischen Zaren in der ,Zeit der Wirren‘ unter besonderer Berücksichtigung der Auswahl- und Berufungsverfahren von Boris Godunov und Michail Romanov“, Universität Bonn.

12/2017 „And out of his mouth goeth a sharp sword, that with it he should smite the nations“: Apocalyptic images and the genesis of the Christian Tsardom of Moscovy in 15. and 16. Centuries, International Master Class „Utopia and Heterotopia: Imaginary Spaces in the European History of Religion and Philosophy“, LMU München.

09/2017 „Der imaginierte und der historische Zar: die Herrschaft Ivans IV. und das theologisch-semiotische Bild des Zaren“, Oberseminar zur Geschichte Osteuropas, LMU München.

07/2017 „Der imaginierte und der historische Zar: die Herrschaft Ivans IV. und das theologisch-semiotische Bild des Zaren“, SFB 1167, Teilprojekt „Samoderžcy i edinoderžavie – Die Begründung des zentralistischen Alleinherrschaftsanspruches der russischen Zaren in der ,Zeit der Wirren‘ unter besonderer Berücksichtigung der Auswahl- und Berufungsverfahren von Boris Godunov und Michail Romanov“, Universität Bonn.