Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Tobias Wals, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter / Doktorand am IfZ Zentrum für Holocaust-Studien

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Kurzbiografie

Tobias Wals (Amsterdam, 1993) studierte Osteuropakunde und Slawistik (Russisch) in Amsterdam und Löwen. Er wohnte zwei Jahre in Kyjiw, wo er Ukrainisch gelernt hat. Seit 2016 schreibt er für niederländische Medien Artikel über die Ukraine und die weitere Region, und übersetzt er aus den Ukrainischen und Russischen ins Niederländische. Vor seiner heutigen Stelle arbeitete er ein Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter am NIOD Institute for War, Holocaust and Genocide Studies in Amsterdam, in einem Projekt über Babyn Jar. Seit Mai 2020 arbeitet er am IfZ und an der LMU an seiner Promotionsforschung über die ukrainische Stadt Schytomyr.

Dissertationsprojekt

Erstbetreuer: Prof. Martin Schulze Wessel
Sprache: Englisch


Das Ziel meiner Forschung ist, die Auswirkung der deutschen Besatzung und des Holocausts auf das soziale Gewebe von Schytomyr besser zu verstehen. Vor dem Krieg zählte die Stadt rund 95.000 Einwohner, die Hälfte davon waren Ukrainer, etwa ein Drittel Juden. Am 19 September 1941 hetzte Sonderkommando 4a einen Pogrom auf, nachdem die SS-Männer 3145 Juden aus der Stadt vertrieben und exekutierten. Tausende mehr wurden im Laufe des Krieges erschossen, erhängt oder totgeprügelt. Die Juden, die überlebten oder aus der Evakuation zurückkehrten, gaben in den meisten Fällen ihre Sprache und Kultur auf, um sich in russischsprachige Sowjetbürger zu verwandeln. In meinem Forschungsprojekt geht es eben um die Erfahrungen von Schytomyrs Einwohnern und die sozialen Prozesse zwischen ihnen. Wie passten sich Leute an die allgegenwärtige Gewalt an, welche Überlebuensstrategien entwickelten sie? Wie beeinflusste die Anwesenheit von einem Stalag mit vielen Tausenden Kriegsgefangener in unmittelbarer Nähe der Stadt das Leben der Anwohner? Wie änderte sich durch Krieg und Besatzung die Selbstidentifizierung von Individuen unterschiedlicher Herkunft?