Geschichte Osteuropas und Südosteuropas
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Dissertationsprojekt: Geschichtspolitik in Ost und West im Kalten Krieg – der Umgang mit der NS-Zeit im tschechoslowakisch-französischen Vergleich

Betreuer: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel

Förderung: Promotionsstipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst

Ziel der Dissertation ist ein Vergleich der Darstellung der NS-Zeit in den KZ-Gedenkstätten Theresienstadt (Tschechoslowakei) und Natzweiler-Struthof (Frankreich) seit 1945. Die Untersuchung der Gedenkstätten soll einen Vergleich der zentralen Inhalte der Geschichtspolitik beider Länder ergeben und durch einen akteurszentrierten methodischen Ansatz Aufschlüsse über konkurrierende Intentionen und Deutungen erlauben. Hierbei werden sowohl die Rituale und Denkmäler sowie deren Vorgeschichte in den Blick genommen, als auch die Ausstellungen in den Gedenkstätten, anhand derer sich die jeweiligen Deutungen der Geschichte der NS-Zeit detailliert nachvollziehen lassen.

Dieser Ost-West-Vergleich soll auch neue Perspektiven auf die in der Forschungsliteratur dominierenden Annahme einer entlang des Eisernen Vorhangs getrennten Erinnerungskultur der NS-Zeit werfen. Die neben den staatlichen Institutionen zentralen Akteure für ein Gedenken an die NS-Zeit – die Opferverbände – spielten nicht nur innenpolitisch eine große Rolle für die Etablierung und Kodifizierung einer Erinnerungskultur, sondern standen in einem länder- und blockübergreifenden Netzwerk miteinander in Kontakt. Die Hinzunahme einer dritten Gedenkstätte – Buchenwald in der DDR –, wo sich alljährlich Delegationen aus allen Ländern zu großangelegten Gedenkfeierlichkeiten trafen, soll der Frage nach möglichen Transfers von gängigen Ausstellungspraktiken, Präsentationsformen und Gedenkritualen nachgegangen werden. Somit kann auch die Vorstellungen einer nationalen oder durch Blockzugehörigkeit dominierten Erinnerungskultur präzisiert werden, indem gegenseitige Einflüsse herausgearbeitet und die Deutungskonflikte stärker in das Zentrum gerückt werden.