Aktuelle Forschung (Habilitationsprojekt)
Internationalizing Outer Space: Cooperation and Competition in Space Exploration from the late 1960s to the early 1990s
gefördert von der DFG
Teil der Forschungsgruppe Kooperation und Konkurrenz in den Wissenschaften
https://www.kooperation-und-konkurrenz.geschichte.uni-muenchen.de/index.html
Das Habilitationsprojekt untersucht das Spannungsverhältnis der Kooperation und Konkurrenz am Beispiel der Raumfahrt und der Weltraumforschung im Kalten Krieg und analysiert die daraus resultierenden Akteurskonstellationen und Interessenlagen, Legitimierungsmuster und Handlungsorientierungen sowie Interaktionsdynamiken und
epistemologische Effekte. Anhand von zwei Fallstudien wird nachgezeichnet, welche Faktoren den Präferenzen der Akteure für Kooperation oder Konkurrenz zugrunde lagen und wie sie sich auf die konkrete Ausprägung des Zusammenspiels kompetitiver und kooperativer Praktiken auswirkten. In den Fallstudien werden zwei verschiedene Kontexte des Kalten Krieges fokussiert: das Apollo-Sojus-Testprojekt (ASTP) als ein blockübergreifendes Kooperationsprojekt von den Systemrivalen USA und der Sowjetunion einerseits und die blockinterne Zusammenarbeit der sozialistischen Länder im Rahmen des Interkosmos-Programms andererseits. Während das ASTP eine zeitlich beschränkte Kooperation im Bereich der bemannten Raumfahrt mit einem nur sehr begrenzten wissenschaftlichen Anspruch darstellte und sich vor dem Hintergrund der Systemkonkurrenz abspielte, brachte das Interkosmos-Programm vor allem die Weltraumforschung der „befreundeten“ sozialistischen Länder längerfristig zusammen. Trotz dieser Differenzen in den Ausgangsbedingungen – so die übergreifende These, die die Fallstudien verbindet – waren die beiden Programme vom Ineinandergreifen der kompetitiven und kooperativen Dynamiken geprägt. Einen geradlinigen Wandel von dem Konkurrenz- zum Kooperationsmodus, wie er manchmal für die Geschichte der Raumfahrt postuliert wird, gab es in dieser Form nicht. Vielmehr waren die sich wandelnden Bedingungen, unter denen die beiden Programme durchgeführt wurden, auf eine Reihe von Faktoren in und außerhalb der Raumfahrt und der Weltraumforschung zurückzuführen. Der vergleichsweise lange Zeitraum der Untersuchung ermöglicht es, diesen Wandlungen nachzugehen und ihre Auswirkungen auf das Zusammenspiel der Kooperation und Konkurrenz herauszuarbeiten. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass dieses Zusammenspiel wiederum konkrete Folgen für die Entwicklung der Raumfahrt und der Weltraumwissenschaft hatte, die sich am Beispiel von ASTP und Interkosmos zeigen lassen. Schließlich treten durch die Einbettung der Fallstudien in die allgemeine Entwicklung der Weltraumerforschung auch die vielfältigen Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen den beiden Programmen hervor, die bis jetzt kaum
erforscht sind.